Yoruba Meisterwerke einer afrikanischen Hochkultur

Vernissage, 7. Mai 2016, 20 Uhr

Kuratiert von Gert Chesi


An der westafrikanischen Küste, dem heutigen Nigeria lebt das Volk der Yoruba. Ihre Kultur ist wie die der benachbarten Völker schriftlos, was die Überlieferung ihrer Bräuche und Riten erheblich erschwert hat. Dennoch gibt es in ihrer Kunst, die mit ihrer Religion verbunden ist klare Hinweise darauf, dass das Volk der Yoruba seit Jahrhunderten Träger einer unvergleichlichen Hochkultur ist. Das Museum der Völker beherbergt seit seiner Eröffnung einige repräsentative Objekte.

Die Sonderausstellung die für sechs Monate hier gezeigt wird, versteht sich nicht als Ergänzung, sondern als eine eigenständige Schau, die mit großformatigen Exponaten die kreative Potenz und den Reichtum dieser Kultur zeigt. Während noch vor hundert Jahren die Schnitzereien kaum irgendwelchen Künstlern zugeordnet werden konnten, begann die Neugierde und der Forschergeist früher Sammler nach den Ateliers und Personen, die solche Kunstwerke hervorbrachten zu suchen. Dabei stieß man in der Provinz Ekitti auf Olowe von Ise, einem Schnitzer, der schnell zum Picasso der Yoruba avancierte. Eine seiner berühmt gewordenen Türen ist neben spektakulären Epa Masken im MDV zu sehen. Auch kleinere Exponate wie Gelede Masken gehören der Sammlung an, die aus der Schweiz kommend, in Schwaz eine vorübergehende Heimat gefunden hat.

Der Blick auf Ritualobjekte erfolgt in Afrika aus einem anderen Winkel. Während für den westlichen Sammler ästhetisch Kriterien eine bedeutende Rolle spielen, zählen für die Yoruba vorrangig spirituelle und religiöse Inhalte. Es gibt Ahnenfiguren, die vernichtet werden, wenn der letzte gestorben ist, der sich an diesen Ahnen erinnern konnte. Ruinöse Figuren werden durch neue ersetzt. Die Vorstellung, dass Objekte wegen ihres Alters Bedeutung erlangen, ist eine weitgehende europäische. Dass wir heute Kunstwerke hohen Alters in Ausstellungen bewundern können, verdanken wir der Begeisterung von Sammlern, die sie schon vor Jahrzehnten erworben und mitgebracht haben.

Foto:© Gert Chesi

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Museum der Völker

St. Martin 16
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+43 (0)5242 66090

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l.noggler@museumdervoelker.com

Bianca Ober

Kulturvermittlung, Recherche, Besucher_innenservice

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Marketing und Kommunikation, Objektbetreuung, Leitung Shop und Café, interne Services, Besucher_innenservice

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Ihre Anfrage

Prof. Gert Chesi

Der 1940 in Schwaz geborene Gründer des Museums und Stifter einer umfangreichen Sammlung Gert Chesi ist Fotograf und Filmemacher, Journalist und Autor.

Gert Chesi & das MdV

1960 gründet er den ersten Jazzclub Westösterreichs „Studio 12“ in Schwaz, der später unter dem Namen „Eremitage“ bis heute als Konzertort und Restaurant bekannt wird. Nach einer langen  Reise durch Afrika, der Veranstaltung von Musik- und Kulturfestivals in Schwaz und journalistischen Tätigkeiten für lokale, überregionale Medien und dem ORF, verbringt Chesi 1964 mehrere Monate im afrikanischen Spital von Albert Schweitzer. Neben Veröffentlichungen über Lambarene, Publikationen wie dem bekannten Werk „Die letzten Afrikaner“, beginnt seine Sammlertätigkeit. Weitere Reisen nach Indien, Afrika und Amerika folgen. In den 70er und 80er-Jahren richtet Chesi mehrere Foto-Ausstellungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus und hält Vorträge in mehreren Ländern Europas. Nach einer Reise auf die Philippinen erscheint der Band „Geistheiler auf den Philippinen“. Umfangreichen Studien zum Thema Voodoo in Afrika und Haiti folgen Publikationen wie der in mehreren Sprachen übersetzte Bildband „Voodoo – Afrikas geheime Macht“, „Die Medizin der schwarzen Götter“, aber auch 1983 „Susanne Wenger – ein Leben mit den Göttern“. 

 

Ab 1984 ist Chesi Lehrbeauftragter an der Universität Innsbruck und unterrichtet Fotografie am Institut für Raumgestaltung. In den späten 80er und den 90er-Jahren reist Chesi nach Togo aber vor allem auch nach Bali, Thailand, Indien und Brasilien, wirkt in mehreren Ausstellungsprojekten mit und verkauft 1988 dem Völkerkundemuseum Frankfurt sein ethnografisches Fotoarchiv.

 

 

1995 wird das „Haus der Völker“ eröffnet, das die umfangreiche Sammlung Chesis aus Westafrika und Südostasien zeigt. Bis zum Umbau 2012 werden im Museum jährlich Sonderausstellungen eröffnet und zahlreiche Vorträge zu ethnologischen Themen gehalten. Chesis Reisetätigkeit führt ihn weiterhin nach Westafrika und Südostasien, seine Sammlungsankäufe sowie Ausstellungen mit Exponaten anderer Sammler werden im Museum gezeigt. In Zusammenarbeit mit dem Völkerkundemuseum Hamburg und Berlin entstehen Ausstellungen außerhalb des eigenen Hauses. Neben weiteren Buchpublikationen produzierte Chesi seit 2013 fast 40 Dokumentarfilme, die eine wesentliche Quelle für die von ihm gesammelten Objekte bilden.

1999 wird das Museum mit dem Tiroler Museumspreis ausgezeichnet, Chesi erhält das Ehrenzeichen der Stadt Schwaz und 2001 den Berufstitel Professor. 

Mit Gerhard Merzeder veröffentlicht Chesi ab 2005 16 Ausgaben des deutschsprachigen Magazins für außereuropäische Kunst „A4“ sowie einen Bildband über die Nok-Kultur.

2013 wird das „Museum der Völker“ in einem durch das Land Tirol und der Stadt Schwaz finanzierten Neubau eröffnet. Chesis Sammlung, aber auch Objekte der Sammlung Schell aus Graz (ehemals auch Sammlung Chesi) und weitere werden präsentiert.

2016 übergibt Chesi rund 950 Objekte sowie etwa 600 Bücher der Stadt Schwaz als Schenkung. 

Gert Chesi - Filmografie

Gert Chesi hielt in bisher ca. 40 veröffentlichte Filmen seine reisen, spirituellen Rituale und Feste, sich verändernde Gesellschaften, Berufsgruppen, Kunstschaffende … fest. Chesi Filmografie, die nach der Schenkung seiner umfangreichen Sammlung an die Stadt Schwaz jährlich weiter anwächst, dokumentiert den Blick des Sammlers und offenbart seine Sicht auf afrikanische und asiatische Lebensweisen.

Alle Filme sind als DVD im Museumsshop des Museums der Völker verfügbar (Preis € 12,-)

Gerne sende wir Ihnen die DVD auch per Post zu. Ihre Bestellungen richten Sie bitte an info@museumdervoelker.com

ASIEN

– Königsstäde Asiens – Laos, Vietnam, Kambodscha

– Asien im Fest / Teil 1

– Asien im Fest / Teil 2

– Burma / Teil 1

– Burma / Teil 2

– Burma / Teil 3

– Chinatown Bangkok

– Miao – Eine Zeitreise

– Leben und Tod auf Bali

– Buddha in schlechter Gesellschaft

– Buddhas Glanz und Elend

– Buddhas unfolgsame Kinder / Teil 1

– Buddhas unfolgsame Kinder / Teil 2

– Buddhas unfolgsame Kinder / Teil 3

– Das Lieder der Straße / Teil 2

– Die Farben Indiens / Teil 1

– Die Farben Indiens / Teil 2

– Die Geschichte der Ning

– Feste und Maskenkulte in Indien

– Indonesien: Bali, Flores, Sumba

– Indonesien: Batak, Toraja, Sumba

– Indonesien: Java, Alor, Sumatra, Mentawai

– Indonesien: Sumatra, Nias, Sulawesi

– Tanzende Schatten – Puppentheater in Thailand

AFRIKA

– African Connection

– Afrika im Fest / Teil 1 Togo

– Afrika im Wandel 1

– Afrika – Menschen, Mythen, Traditionen

– Afrika im Wandel 2

– Alice Mettler – Mein Leben in Afrika

– Äthiopien – Eine Zeitreise

– Das Lied der Straße / Teil 1

– Die Friseurinnen von Avepozo

– Die Irre von Avepozo

– Die Medizin der schwarzen Götter / Teil 1

– Die Medizin der schwarzen Götte / Teil 2

– Künstlerportäts Afrika

– Made in Africa

– Togo im Tanz

– Voodoo – Die Magier der Erde

– Das Voodoo-Tagebuch