Die Geister spielen Fußball

Neue Sonderausstellung im MDV auf Ebene 3

Zeichnungen und Skulpturen des ghanaischen Künstlers ATAA OKO ADDO (1919 – 2012)

Der Ghanaer Ataa Oko Addo (1919 – 2012) war einer der ersten Tischlermeister, der in den 1950er Jahren in der Region von Accra die heute weltberühmten figürlichen Särge der Ga – der Ethnie, zu der auch Oko gehörte – herstellte. Erst danach – im Alter von über 80 Jahren – begann er zu zeichnen. Ohne je eine Schulbildung genossen zu haben und ohne sich je als Künstler zu betrachten, eignete sich der ehemalige Tischler im hohen Alter und weitgehend selbständig den Umgang mit Bleistift und Papier an. Bis zu seinem Tod im Dezember 2012 wurde das Zeichnen zu seiner Hauptbeschäftigung. Er schuf innerhalb kurzer Zeit ein umfangreiches und ganz eigenständiges grafisches Werk, in welchem sich mit zunehmendem Alter seine Erinnerungen mit der Fantasie und seinen Visionen vermischten. Anfänglich zeichnete Oko seine einstigen figürlichen Särge und Sänften kleinformatig. Aber ab dem Jahr 2007 veränderten sich seine Bildthemen stetig. Inspirationen aus dem Alltag, wie spielende Kinder, Fischer am Strand, die Fußballmeisterschaft und immer wieder Träume und spirituelle Vorstellungen, die Welt der Götter und der Geister, brachte er auf Papier.

Als ehemaliger Sargbauer war es Ataa Oko gewohnt, für Auftraggeber zu arbeiten. Auch seine Grafiken waren Auftragswerke: Ausgehend von ihren Nachforschungen zu figürlichen Särgen und Sänften der Ga motivierte die Schweizer Ethnologin Regula Tschumi den hierzulande noch unbekannten Pionier Oko, seine längst nicht mehr existierenden Särge und Sänften in kleine Schulhefte zu zeichnen. Aus dieser Idee entfaltete sich in den folgenden Jahren Okos umfangreiches grafisches Werk. Tschumi lieferte Papier und Farbstifte und kaufte Oko die Zeichnungen ab. Es entstand eine enge Zusammenarbeit, bei der sie sich gegenseitig beeinflussten und inspirierten. So eröffnete Okos Werk einerseits Einblicke in die religiösen Riten und Traditionen der Ga. Andererseits konnte Oko, der 2010 die Sprachfähigkeit verloren hatte, seine vor allem nächtlichen Visionen zeichnerisch festhalten und mitteilen. Jene zwischen 2011 und 2012 entstandenen großformatigen Zeichnungen von Okos Träumen und spirituellen Visionen wurden von dessen Sohn Kofi ausgemalt, Oko hatte dafür keine Kraft mehr.

ATAA OKO ADDO. Der Künstler wurde 1919 in der Küstenstadt La in Ghana geboren und arbeitete als Jugendlicher zunächst als Fischer. Zwischen 1936 und 1939 absolvierte er eine Tischlerausbildung in Accra. Bereits um 1945 begann Oko seine ersten figürlichen Särge herzustellen. Mit diesen in den 1950er Jahren noch ganz ungewöhnlichen Skulpturen wurde er rasch in der ganzen Küstenregion berühmt. Heute gilt Ataa Oko als Pionier der ghanaischen Sargkunst. 2006 stellte er im Auftrag von Regula Tschumi mit Unterstützung von verschiedenen Tischlern erstmals einen figürlichen Sarg für ein westliches Kunstmuseum her. Zudem entstand zwischen 2004 und 2012 eine umfangreiche Sammlung an Zeichnungen, die sich heute zum Teil im Besitz der Sammlung der Collection de l’Art Brut in Lausanne, aber auch in verschiedenen Privatsammlungen befindet.

Ataa Okos Bildwelten sind in dieser Ausstellung zum ersten Mal in Österreich zu sehen und es werden in der Ausstellung erstmals die Werke von 4 Sargkünstlern vereint – Ataa Oko Addo, Paa Joe, Kane Kwei sowie Kudjoe Affutu.

Die Ausstellung ist bis 25. September geöffnet.



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Prof. Gert Chesi

Der 1940 in Schwaz geborene Gründer des Museums und Stifter einer umfangreichen Sammlung Gert Chesi ist Fotograf und Filmemacher, Journalist und Autor.

Gert Chesi & das MdV

1960 gründet er den ersten Jazzclub Westösterreichs „Studio 12“ in Schwaz, der später unter dem Namen „Eremitage“ bis heute als Konzertort und Restaurant bekannt wird. Nach einer langen  Reise durch Afrika, der Veranstaltung von Musik- und Kulturfestivals in Schwaz und journalistischen Tätigkeiten für lokale, überregionale Medien und dem ORF, verbringt Chesi 1964 mehrere Monate im afrikanischen Spital von Albert Schweitzer. Neben Veröffentlichungen über Lambarene, Publikationen wie dem bekannten Werk „Die letzten Afrikaner“, beginnt seine Sammlertätigkeit. Weitere Reisen nach Indien, Afrika und Amerika folgen. In den 70er und 80er-Jahren richtet Chesi mehrere Foto-Ausstellungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus und hält Vorträge in mehreren Ländern Europas. Nach einer Reise auf die Philippinen erscheint der Band „Geistheiler auf den Philippinen“. Umfangreichen Studien zum Thema Voodoo in Afrika und Haiti folgen Publikationen wie der in mehreren Sprachen übersetzte Bildband „Voodoo – Afrikas geheime Macht“, „Die Medizin der schwarzen Götter“, aber auch 1983 „Susanne Wenger – ein Leben mit den Göttern“. 

 

Ab 1984 ist Chesi Lehrbeauftragter an der Universität Innsbruck und unterrichtet Fotografie am Institut für Raumgestaltung. In den späten 80er und den 90er-Jahren reist Chesi nach Togo aber vor allem auch nach Bali, Thailand, Indien und Brasilien, wirkt in mehreren Ausstellungsprojekten mit und verkauft 1988 dem Völkerkundemuseum Frankfurt sein ethnografisches Fotoarchiv.

 

 

1995 wird das „Haus der Völker“ eröffnet, das die umfangreiche Sammlung Chesis aus Westafrika und Südostasien zeigt. Bis zum Umbau 2012 werden im Museum jährlich Sonderausstellungen eröffnet und zahlreiche Vorträge zu ethnologischen Themen gehalten. Chesis Reisetätigkeit führt ihn weiterhin nach Westafrika und Südostasien, seine Sammlungsankäufe sowie Ausstellungen mit Exponaten anderer Sammler werden im Museum gezeigt. In Zusammenarbeit mit dem Völkerkundemuseum Hamburg und Berlin entstehen Ausstellungen außerhalb des eigenen Hauses. Neben weiteren Buchpublikationen produzierte Chesi seit 2013 fast 40 Dokumentarfilme, die eine wesentliche Quelle für die von ihm gesammelten Objekte bilden.

1999 wird das Museum mit dem Tiroler Museumspreis ausgezeichnet, Chesi erhält das Ehrenzeichen der Stadt Schwaz und 2001 den Berufstitel Professor. 

Mit Gerhard Merzeder veröffentlicht Chesi ab 2005 16 Ausgaben des deutschsprachigen Magazins für außereuropäische Kunst „A4“ sowie einen Bildband über die Nok-Kultur.

2013 wird das „Museum der Völker“ in einem durch das Land Tirol und der Stadt Schwaz finanzierten Neubau eröffnet. Chesis Sammlung, aber auch Objekte der Sammlung Schell aus Graz (ehemals auch Sammlung Chesi) und weitere werden präsentiert.

2016 übergibt Chesi rund 950 Objekte sowie etwa 600 Bücher der Stadt Schwaz als Schenkung. 

Gert Chesi - Filmografie

Gert Chesi hielt in bisher ca. 40 veröffentlichte Filmen seine reisen, spirituellen Rituale und Feste, sich verändernde Gesellschaften, Berufsgruppen, Kunstschaffende … fest. Chesi Filmografie, die nach der Schenkung seiner umfangreichen Sammlung an die Stadt Schwaz jährlich weiter anwächst, dokumentiert den Blick des Sammlers und offenbart seine Sicht auf afrikanische und asiatische Lebensweisen.

Alle Filme sind als DVD im Museumsshop des Museums der Völker verfügbar (Preis € 12,-)

Gerne sende wir Ihnen die DVD auch per Post zu. Ihre Bestellungen richten Sie bitte an info@museumdervoelker.com

ASIEN

– Königsstäde Asiens – Laos, Vietnam, Kambodscha

– Asien im Fest / Teil 1

– Asien im Fest / Teil 2

– Burma / Teil 1

– Burma / Teil 2

– Burma / Teil 3

– Chinatown Bangkok

– Miao – Eine Zeitreise

– Leben und Tod auf Bali

– Buddha in schlechter Gesellschaft

– Buddhas Glanz und Elend

– Buddhas unfolgsame Kinder / Teil 1

– Buddhas unfolgsame Kinder / Teil 2

– Buddhas unfolgsame Kinder / Teil 3

– Das Lieder der Straße / Teil 2

– Die Farben Indiens / Teil 1

– Die Farben Indiens / Teil 2

– Die Geschichte der Ning

– Feste und Maskenkulte in Indien

– Indonesien: Bali, Flores, Sumba

– Indonesien: Batak, Toraja, Sumba

– Indonesien: Java, Alor, Sumatra, Mentawai

– Indonesien: Sumatra, Nias, Sulawesi

– Tanzende Schatten – Puppentheater in Thailand

AFRIKA

– African Connection

– Afrika im Fest / Teil 1 Togo

– Afrika im Wandel 1

– Afrika – Menschen, Mythen, Traditionen

– Afrika im Wandel 2

– Alice Mettler – Mein Leben in Afrika

– Äthiopien – Eine Zeitreise

– Das Lied der Straße / Teil 1

– Die Friseurinnen von Avepozo

– Die Irre von Avepozo

– Die Medizin der schwarzen Götter / Teil 1

– Die Medizin der schwarzen Götte / Teil 2

– Künstlerportäts Afrika

– Made in Africa

– Togo im Tanz

– Voodoo – Die Magier der Erde

– Das Voodoo-Tagebuch