Gladys der Maler und seine Geistertitled

Vernissage, 16. Juli, 20 Uhr

Zeitgenössische Malerei aus Benin

Er nennt sich „Cerveau“, das Hirn, und wenn er zur Leinwand schreitet, tut er das, um sich Erleichterung zu verschaffen. Afrikas Geisterwelt hat ihn vereinnahmt, den Mann aus Benin, einem Land in dem der Voodoo seinen Ursprung hat. Malen als Therapie, das ist die eine Dimension seiner Arbeit, Therapie als Kunst die andere.

In seinem Atelier in Abomey entstehen großformatige Bilder. Acryl auf Leinwand, so wie er es bei Dominique Zinkpé, seinem Lehrer, gelernt hat. Gladys findet seine Motive nicht in der realen Welt, er trägt sie im Kopf und immer wieder drängen sie nach außen. „Ich muss sie herauslassen bevor ich sterbe“. Das ist seine Perspektive, zwingend und unerbittlich, sonst fürchtet er Schaden zu nehmen. Dann bricht er das Weiß der Leinwand, der Malgrund verwandelt sich zum Spielplatz der Geister, deren Absichten nur selten freundlich sind. Afrikas Götterhimmel ist gefährlich und die Dämonen, die als Erfüllungsgehilfen das Pantheon flankieren, sind es auch.

Gladys, das „Hirn“, versucht sie dingfest zu machen, sie zu bannen. Wenn sie erst einmal am Bild erscheinen, hat er ihre Macht gebrochen. Seine Hilfsmittel sind die Symbole. Ein christliches Kreuz mit weinenden Augen zieht sich durch seine Bilderwelt. Ein Gegengewicht zu den zerstörerischen Emotionen, die die Geister hervorbringen. Rache, Eifersucht, Geiz und Habgier, sie haben die Menschen vereinnahmt und die Gesellschaft vergiftet. Gladys hat es gelernt mit ihnen umzugehen, sie für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Was sind aber seine Zwecke. Es ist der Wunsch, das Böse zu bannen, es zu vertreiben, um den Weg für das Gute zu ebnen. Ein Geist, der seinen Platz in einem seiner Bilder gefunden hat, der ist den Gehirnen der Menschen entzogen. So haben seine Gemälde reinigenden Charakter, sie nageln fest, was durch seine Wanderungen Schaden stiftet. Es gibt noch viel zu tun. Ein Leben wird nicht ausreichen, aber in hoffnungsloser Verzweiflung zu stagnieren, wäre keine Alternative. So malt er sich weiterhin die Geister von der Seele und aus dem Geist. Auch wenn er es nicht schafft eine bessere Welt zu hinterlassen, so muss es ihm schließlich genügen, es gewollt zu haben.


Kurator Gert Chesi

Bilder: © Gladys, Fotos: © Gert Chesi

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Prof. Gert Chesi

Der 1940 in Schwaz geborene Gründer des Museums und Stifter einer umfangreichen Sammlung Gert Chesi ist Fotograf und Filmemacher, Journalist und Autor.

Gert Chesi & das MdV

1960 gründet er den ersten Jazzclub Westösterreichs „Studio 12“ in Schwaz, der später unter dem Namen „Eremitage“ bis heute als Konzertort und Restaurant bekannt wird. Nach einer langen  Reise durch Afrika, der Veranstaltung von Musik- und Kulturfestivals in Schwaz und journalistischen Tätigkeiten für lokale, überregionale Medien und dem ORF, verbringt Chesi 1964 mehrere Monate im afrikanischen Spital von Albert Schweitzer. Neben Veröffentlichungen über Lambarene, Publikationen wie dem bekannten Werk „Die letzten Afrikaner“, beginnt seine Sammlertätigkeit. Weitere Reisen nach Indien, Afrika und Amerika folgen. In den 70er und 80er-Jahren richtet Chesi mehrere Foto-Ausstellungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus und hält Vorträge in mehreren Ländern Europas. Nach einer Reise auf die Philippinen erscheint der Band „Geistheiler auf den Philippinen“. Umfangreichen Studien zum Thema Voodoo in Afrika und Haiti folgen Publikationen wie der in mehreren Sprachen übersetzte Bildband „Voodoo – Afrikas geheime Macht“, „Die Medizin der schwarzen Götter“, aber auch 1983 „Susanne Wenger – ein Leben mit den Göttern“. 

 

Ab 1984 ist Chesi Lehrbeauftragter an der Universität Innsbruck und unterrichtet Fotografie am Institut für Raumgestaltung. In den späten 80er und den 90er-Jahren reist Chesi nach Togo aber vor allem auch nach Bali, Thailand, Indien und Brasilien, wirkt in mehreren Ausstellungsprojekten mit und verkauft 1988 dem Völkerkundemuseum Frankfurt sein ethnografisches Fotoarchiv.

 

 

1995 wird das „Haus der Völker“ eröffnet, das die umfangreiche Sammlung Chesis aus Westafrika und Südostasien zeigt. Bis zum Umbau 2012 werden im Museum jährlich Sonderausstellungen eröffnet und zahlreiche Vorträge zu ethnologischen Themen gehalten. Chesis Reisetätigkeit führt ihn weiterhin nach Westafrika und Südostasien, seine Sammlungsankäufe sowie Ausstellungen mit Exponaten anderer Sammler werden im Museum gezeigt. In Zusammenarbeit mit dem Völkerkundemuseum Hamburg und Berlin entstehen Ausstellungen außerhalb des eigenen Hauses. Neben weiteren Buchpublikationen produzierte Chesi seit 2013 fast 40 Dokumentarfilme, die eine wesentliche Quelle für die von ihm gesammelten Objekte bilden.

1999 wird das Museum mit dem Tiroler Museumspreis ausgezeichnet, Chesi erhält das Ehrenzeichen der Stadt Schwaz und 2001 den Berufstitel Professor. 

Mit Gerhard Merzeder veröffentlicht Chesi ab 2005 16 Ausgaben des deutschsprachigen Magazins für außereuropäische Kunst „A4“ sowie einen Bildband über die Nok-Kultur.

2013 wird das „Museum der Völker“ in einem durch das Land Tirol und der Stadt Schwaz finanzierten Neubau eröffnet. Chesis Sammlung, aber auch Objekte der Sammlung Schell aus Graz (ehemals auch Sammlung Chesi) und weitere werden präsentiert.

2016 übergibt Chesi rund 950 Objekte sowie etwa 600 Bücher der Stadt Schwaz als Schenkung. 

Gert Chesi - Filmografie

Gert Chesi hielt in bisher ca. 40 veröffentlichte Filmen seine reisen, spirituellen Rituale und Feste, sich verändernde Gesellschaften, Berufsgruppen, Kunstschaffende … fest. Chesi Filmografie, die nach der Schenkung seiner umfangreichen Sammlung an die Stadt Schwaz jährlich weiter anwächst, dokumentiert den Blick des Sammlers und offenbart seine Sicht auf afrikanische und asiatische Lebensweisen.

Alle Filme sind als DVD im Museumsshop des Museums der Völker verfügbar (Preis € 12,-)

Gerne sende wir Ihnen die DVD auch per Post zu. Ihre Bestellungen richten Sie bitte an info@museumdervoelker.com

ASIEN

– Königsstäde Asiens – Laos, Vietnam, Kambodscha

– Asien im Fest / Teil 1

– Asien im Fest / Teil 2

– Burma / Teil 1

– Burma / Teil 2

– Burma / Teil 3

– Chinatown Bangkok

– Miao – Eine Zeitreise

– Leben und Tod auf Bali

– Buddha in schlechter Gesellschaft

– Buddhas Glanz und Elend

– Buddhas unfolgsame Kinder / Teil 1

– Buddhas unfolgsame Kinder / Teil 2

– Buddhas unfolgsame Kinder / Teil 3

– Das Lieder der Straße / Teil 2

– Die Farben Indiens / Teil 1

– Die Farben Indiens / Teil 2

– Die Geschichte der Ning

– Feste und Maskenkulte in Indien

– Indonesien: Bali, Flores, Sumba

– Indonesien: Batak, Toraja, Sumba

– Indonesien: Java, Alor, Sumatra, Mentawai

– Indonesien: Sumatra, Nias, Sulawesi

– Tanzende Schatten – Puppentheater in Thailand

AFRIKA

– African Connection

– Afrika im Fest / Teil 1 Togo

– Afrika im Wandel 1

– Afrika – Menschen, Mythen, Traditionen

– Afrika im Wandel 2

– Alice Mettler – Mein Leben in Afrika

– Äthiopien – Eine Zeitreise

– Das Lied der Straße / Teil 1

– Die Friseurinnen von Avepozo

– Die Irre von Avepozo

– Die Medizin der schwarzen Götter / Teil 1

– Die Medizin der schwarzen Götte / Teil 2

– Künstlerportäts Afrika

– Made in Africa

– Togo im Tanz

– Voodoo – Die Magier der Erde

– Das Voodoo-Tagebuch